
Stand: Mai 2026
Kurzantwort: Ein sauberer DATEV-Export im Baubetrieb stützt sich auf drei Säulen: Kostenstellen pro Baustelle, korrekt abgebildete BRTV-Lohnarten und ein automatisierter Belegfluss von Eingangsrechnung über Buchung bis Lohnabrechnung. Wer diese Säulen integriert in einer vernetzten Bausoftware führt, vermeidet die typischen Nachberechnungen mit dem Lohnbüro und liefert dem Steuerberater alle Daten in DATEV-konformen Formaten (LODAS, Lohn und Gehalt, Kanzlei-Rechnungswesen).
Die Schnittstelle zur Buchhaltung entscheidet im Bauunternehmen über Stunden an Mehrarbeit pro Monat. Wer Lohndaten und Eingangsrechnungen manuell überträgt, riskiert Fehler, Nachberechnungen und Verzögerungen bei der Gehaltsabrechnung. Wer den Export automatisiert, gewinnt Zeit und vermeidet Konflikte mit Mitarbeitern und Steuerberatern.
Welche DATEV-Formate relevant sind
Für Baubetriebe sind typischerweise diese Formate relevant:
- DATEV Kanzlei-Rechnungswesen (KRW): für Buchungssätze, Konten, Belege
- DATEV Unternehmen online: Cloud-Plattform für Belegaustausch mit dem Steuerberater
- LODAS und Lohn und Gehalt: zwei alternative Programme für die Lohnabrechnung, je nach Kanzlei
- EXTF: Standardformat für Buchungsstapel
- DUO-Belegbilderservice: Hochladen von PDF-Belegen mit Bezug zur Buchung
Die konkrete Wahl trifft typischerweise der Steuerberater. Eine moderne Bausoftware unterstützt alle gängigen Formate parallel.
Kostenstellen pro Baustelle
Der wichtigste Hebel im Bau-Controlling: jede Baustelle ist eine eigene Kostenstelle. Damit lässt sich nachvollziehen, welche Baustelle profitabel war und welche nicht. Voraussetzung:
- Jede Eingangsrechnung wird einer oder mehreren Kostenstellen zugeordnet.
- Jede Lohnstunde wird einer Kostenstelle zugewiesen.
- Materialentnahmen aus dem Lager werden ebenfalls zugeordnet.
- Maschinenstunden (interne Verrechnung) ergänzen das Bild.
Einige Kanzleien arbeiten zusätzlich mit Kostenträgern, um z. B. unterschiedliche Bauabschnitte zu trennen. Hier muss die Bausoftware flexibel bleiben.
Splittbuchung in der Praxis
Eine Materialrechnung über 12.000 EUR betrifft drei Baustellen. Ohne Splittbuchung landet alles auf einer Kostenstelle und verfälscht das Ergebnis. Mit Splittbuchung wird die Rechnung in drei Buchungssätze zerlegt, mit Bezug zum jeweiligen Projekt. Eine gute Bausoftware bietet diese Splittbuchung direkt im Freigabeworkflow.
BRTV-Lohnarten korrekt abbilden
Der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV) regelt typische Lohnbestandteile wie:
- Normalstunden
- Mehrarbeit, Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge
- Witterungsausfall (SOKA-Bau)
- Auslösung, Fahrtkostenentschädigung
- 13. Monatslohn, Urlaubsgeld
- Vermögenswirksame Leistungen
In DATEV werden diese als eigene Lohnarten geführt. Die Zuordnung in der Bausoftware muss exakt mit der Lohnabrechnung übereinstimmen, sonst entstehen Differenzen, die das Lohnbüro nachträglich klären muss.
Belegfluss in 6 Schritten
- Eingangsrechnung: kommt als XRechnung, ZUGFeRD oder PDF.
- Klassifikation und OCR: Pflichtfelder werden automatisch erkannt.
- Sachliche Prüfung: durch Bauleiter, mit Kostenstellenzuordnung.
- Kaufmännische Prüfung: durch Buchhaltung, ggf. Splittbuchung.
- Buchung: erzeugt Buchungssatz im EXTF-Format.
- DATEV-Übergabe: per Schnittstelle oder Upload an Unternehmen online.
Parallel werden Stunden aus der Zeiterfassung in Lohnarten übersetzt und per LODAS oder Lohn und Gehalt an die Kanzlei übergeben.
Modul-Vernetzung als Schlüssel
Wer Eingangsrechnung, Zeiterfassung und Buchhaltung in getrennten Systemen führt, hat dreimal Mehrarbeit. Eine vernetzte Plattform reduziert das auf eine zentrale Datenbasis:
- Die Zeiterfassung kennt die Baustelle und somit die Kostenstelle.
- Die Eingangsrechnung wird automatisch dem Vertrag und damit dem Projekt zugeordnet.
- Aufmaß-Mengen aus dem Bautagebuch landen direkt in der Materialdisposition.
- Die Schlussrechnung kennt alle Aufwendungen und kann eine sofortige Deckungsbeitragsrechnung pro Baustelle bereitstellen.
Permission-Levels für den DATEV-Export
Der DATEV-Export ist eine sensible Funktion. Sinnvolle Rollen:
- Buchhaltung: erstellt und prüft Exporte, lädt Belege hoch.
- Steuerberater: Lesezugriff auf Belege, schreibt Buchungen in die Kanzlei-Software.
- Bauleitung: sieht Eingangsrechnungen der eigenen Projekte, ordnet Kostenstellen zu.
- Geschäftsführung: Übersichten, Auswertungen.
- Nachunternehmer und Bauherren: kein Zugriff auf das Rechnungswesen, höchstens Zugriff auf ihre eigenen Rechnungen.
Wichtig ist das Banking-Grade Org-Scoping: Bei Mehrfirmen-Konstellationen muss der Export immer einer Firma zugeordnet sein. Bulk-Exporte über Firmen hinweg gefährden die DATEV-Semantik und müssen technisch verhindert werden.
Datenschutz und GoBD
DATEV-Exporte enthalten personenbezogene Daten (Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden). Verarbeitung nach Art. 6 Abs. 1 lit. b und c DSGVO. Aufbewahrung der Belege 10 Jahre nach § 147 AO und § 257 HGB. Die Bausoftware muss ein GoBD-konformes Archiv bieten, in dem festgeschriebene Belege gegen nachträgliche Änderung gesperrt sind.
Typische Fehler
- Kostenstellen-Lücke: einzelne Buchungen ohne Kostenstelle, Projektergebnisse stimmen nicht.
- Lohnarten verwechselt: Mehrarbeit als Normalstunden gebucht, Mitarbeiter beschwert sich, Lohnbüro korrigiert.
- Reverse Charge übersehen: USt fälschlich angesetzt, Korrektur per Storno-Rechnung.
- Splittbuchung manuell: Buchhaltung verteilt zu Fuß, Fehlerquote hoch.
- Belege im falschen Format: PDF statt XRechnung, der Steuerberater muss nacharbeiten.
- Mehrfirmen-Verwechslung: Buchungen einer Schwesterfirma in die falsche Mandantenakte überspielt.
Fazit
Ein sauberer DATEV-Export ist die wichtigste Schnittstelle zwischen Baubetrieb und Steuerkanzlei. Wer Kostenstellen konsequent pflegt, BRTV-Lohnarten korrekt zuordnet und den Belegfluss automatisiert, spart pro Monat mehrere Stunden Arbeit und vermeidet Reibungsverluste mit der Kanzlei. Voraussetzung ist eine vernetzte Bausoftware, die alle Module in einem Datenmodell hält.
BauGrid liefert Buchungsstapel im EXTF-Format, LODAS- und Lohn-und-Gehalt-Exporte, Belegbilder für Unternehmen online und eine sauber getrennte Mandantenführung pro Firma. Mehr dazu in den Beiträgen XRechnung empfangen und Mahnwesen im Bau.
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