DIN 277 ist die Referenznorm für die Ermittlung von Grundflächen und Rauminhalten im Hochbau. Sie schafft eine einheitliche Grundlage für Entwurf, Kostenermittlung, Vermietung, Vermessung und die Bestimmung von Kennwerten wie Flächeneffizienz oder spezifischem Bauvolumen.
Aktuelle Fassung
Die derzeit gültige Fassung ist DIN 277:2021-08. Mit der Überarbeitung 2021 wurden die bisherigen Teile 1 und 2 zu einer einzigen Norm zusammengeführt und die schwer handhabbare Unterteilung der BGF/BRI in die Kategorien a, b und c aufgegeben. Stattdessen werden Flächen nach ihrer Überdeckung und Umschließung unterschieden.
Flächenbegriffe im Überblick
Die Brutto-Grundfläche (BGF) ist die Summe aller Grundflächen aller Grundrissebenen eines Bauwerks einschließlich ihrer konstruktiven Umfassungen. Die BGF setzt sich zusammen aus der Konstruktions-Grundfläche (KGF) und der Netto-Raumfläche (NRF). Die NRF wiederum gliedert sich in drei Hauptkategorien:
- Nutzungsfläche (NUF): Flächen, die der Hauptzweckbestimmung des Bauwerks dienen (z. B. Wohnen, Arbeiten, Unterrichten).
- Technikfläche (TF): Flächen für betriebstechnische Anlagen (z. B. Heizungsräume, Lüftungszentralen).
- Verkehrsfläche (VF): Flächen für den horizontalen und vertikalen Verkehr (Flure, Treppenhäuser, Aufzüge).
Rauminhalte
Parallel zu den Flächen definiert die Norm Rauminhalte. Der Brutto-Rauminhalt (BRI) wird von den äußeren Begrenzungsflächen (Gründungsflächen, Außenwände, Dächer) umschlossen. Der Konstruktions-Rauminhalt (KRI) ergibt sich aus den Maßen aller raumumschließenden Bauteile. Der Netto-Rauminhalt (NRI) ist die Differenz aus BRI und KRI.
Abgrenzung zur DIN 276
DIN 277 liefert die Mengen, DIN 276 bewertet sie kostenseitig. DIN 276 gliedert Kosten nach Kostengruppen (z. B. KG 300 Bauwerk - Baukonstruktionen, KG 400 Bauwerk - Technische Anlagen). Viele Kennwerte (EUR/m² BGF, EUR/m³ BRI) beziehen sich direkt auf Flächen und Volumina nach DIN 277. Die korrekte Anwendung beider Normen ist daher Voraussetzung für belastbare Kostenkennwerte.
Häufige Fehler in der Praxis
Typische Fehler: offene Balkone oder Loggien werden falsch zugeordnet, Schächte mehrfach gezählt, oder unterschiedliche Fassungen der Norm bei Bestandsaufnahme und Neuplanung gemischt. Die Norm unterscheidet bei überdeckten, aber nicht umschlossenen Flächen zwischen Bereichen mit und ohne allseitiger Umschließung. Dies ist für Mietflächenberechnungen relevant.
Mietflächen
Mietflächen werden für Wohnraum üblicherweise nach Wohnflächenverordnung (WoFlV) und für gewerbliche Flächen häufig nach der gif-Richtlinie MF/G ermittelt. Diese Berechnungsverfahren sind nicht identisch mit DIN 277, greifen aber auf deren Strukturen zurück. Wer im Bauvertrag nur auf Wohnfläche oder Nutzfläche verweist, ohne die Berechnungsgrundlage zu nennen, riskiert spätere Streitigkeiten. Es empfiehlt sich, die herangezogene Norm mit Ausgabedatum (z. B. DIN 277:2021-08) ausdrücklich im Vertrag zu benennen.
Verwandte Begriffe
Siehe DIN 276, HOAI und Leistungsverzeichnis. Für die Mengenermittlung auf der Baustelle eignet sich das digitale Aufmaß.
DIN 277 in der Praxis umsetzen.
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